Standort

Bunnik-Vechten (Fectio)

Zurück zum Bericht über die Niederlande

Ein erstes Holz-Erde Kastell wurde hier im ersten Jahrzehnt des 1. Jahrhunderts n. Chr. erstellt. Dies vermutlich um die Jahre 4 - 5 für die Feldzüge des Tiberius Iulius Caesar Augustus. Es stand am südlichen Ufer eines inzwischen verlandeten Rheinarms.

Von hier aus konnte man über - den inzwischen trocken gelegten - Flevo See und Oer-IJ an die Nordsee gelangen. Hier lag die Flottenstation in Velsen (Flevum). Somit diente das erste Kastell vermutlich als Versorgungslager, ev. sogar als Angriffsbasis für die Eroberung Germaniens. Funde - ein Schiff und eine Tonscherbe mit eingeritztem Militärschiff - konnten die Funktion als Flottenstation zwar stützen, jedoch nicht beweisen.

Um das Jahr 47 wurde die Offensivfunktion des Kastells aufgegeben und es wurde in die Verteidigungslinie an der Grenze des Imperiums integriert. Während des Bataveraufstandes (69/70 n. Chr.) ging das Kastell in Flammen auf.

In der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts wurden die Kastellmauern und die Hauptgebäude neu aus Stein erbaut.

Um das Jahr 200 war das Flussbett vollständig verfüllt, wurde jedoch frühestes in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts wieder durchbrochen.

Die Grösse des jüngeren Kastells betrug ca. 2,6 ha. Vermutlich war es für eine Cohors Milliaria Equitata oder eine alle Ala Quingenaria bestimmt. Durch Stempel sind die Cohors II Brittonum (Milliaria Equitata) und die Cohors I Flavia (Hispanorum Equitata) belegt. Auch die Ala I Thracum war hier stationiert.

Östlich des Kastells bestand ein Lagerdorf. Dieser Vicus war wahrscheinlich ein wichtiges Handelszentrum. Die Grundfläche des Dorfes betrug beinahe 10 ha. Auch westlich des Kastells sind vor allem landwirtschaftliche Funde bekannt.

In der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts gingen das Kastell und der Vicus unter.

Der Name Fectio geht auf einen Altarfund zurück. Ansässige Fischer hatten diesen der Göttin Viradecdis geweiht (Fectione Consistunt). Seither wird der Name Fletione auf der Tabula Peutingeriana als Schreibfehler betrachtet.

Obwohl das Kastellgelände heute nicht überbaut ist, sind keine Überreste zu sehen.

[Seitenanfang]