Lagerhauptkanal Wohnhaus der Canabae

Vindobona (Wien)

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Hypokaust eines Tribunenhauses

Um die Mitte 1. Jahrhunderts n. Chr. war in Vindobona eine Abordnung der Legio XV, welche in Carnuntum stationiert war, anwesend. Dieser folgte unter Titus Flavius Domitianus (81 - 96 n. Chr.) die Ala I Flavia Augusta Britannica Miliaria Civium Romanorum Bis Torquatum Ob Virutum. Der Standort des Kastells dieser Auxiliareinheit wird auf der Freyung vermutet.

Die Ala Britannica wurde bald nach der Ankunft der Legio XIII in Vindobona im Jahr 96 n. Chr. abgezogen. Die Legio XIII begann mit dem Bau des Legionslagers, welcher durch die sie im Jahr 107 ablösende Legio XIV weitergeführt wurde. Der Bau wurde vermutlich erst von der Legio X fertig gestellt, welche ab 114 n. Chr. in Vindobona stationiert war.

Die Form des Legionslagers war dem Gelände angepasst. Der Nordteil wies beinahe die Form eines Dreiecks auf. Die Nordmauer von der nordöstlichen Ecke traf wenig nördlich vor der Porta Principalis Sinistra (linkes Lagertor) auf die Westmauer.

Das Lager brannte während der Markomannenkriege im Jahr 169 n. Chr. vollständig ab. Spätestens um 433 n. Chr., als die Hunnen in Pannonien siedelten, war das Lager zum grössten Teil verlassen und lag in Trümmern.

Vom Lager sind heute am Hohen Markt die Überreste von zwei Häusern von Tribunen konserviert worden. Die Scamnum Tribunorum (Häuserzeile der Tribunen) wurde anhand der geografischen Lager nördlich der Via Prinicpalis identifiziert. Unter der Feuerwehrzentrale "Am Hof" wurde unter der Via Sagularis (Strasse an der Lagerinnenmauer) ein Teil des Lagerhauptkanals konserviert.

Die Canabae (Lagervorstadt) entwickelte sich im Westen, Süden und Osten des Lagers. Davon wurden am Michaelersplatz - neben den Resten von jüngeren Bauten - Teile von zwei Häusern und ein Fundament eines Grab- oder Ehrenmonuments konserviert. Die Canabae wurde gegen Ende des 4. Jahrhunderts allmählich verlassen. Die Zivilbevölkerung bewohnte nun das Lager. Die maximale Einwohnerzahl der Canabae wird auf 15'000 - 16'000 geschätzt.

Die Zivilstadt befand sich im 3. Wiener Gemeindebezirk. Weder das Forum noch das Capitolium wurden bisher gefunden. Die Einwohnerzahl wird auf ca. 15'000 Personen geschätzt. Vermutlich wurde ab dem Ende des 4. Jahrhunderts ebenfalls die Zivilstadt verlassen. Die Bewohner zogen in das Lager.

Zum Territorium von Vindobona gehörten einige Steinbrüche, Ziegeleien, kleinere Ansiedlungen und Villae Rusticae. Unter der Kirche St. Johann wurde ein solcher Gutshof zugänglich gemacht. Dies trifft ebenfalls auf die Kirche St. Jakob zu.

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