Carnuntum (Petronell / Bad Deutsch-Altenburg)

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Dianatempel

Carnuntum wird in den römischen Quellen erstmals im Jahr 6 n. Chr. erwähnt. Tiberius Iulius Caesar lagerte hier in einem - bisher nicht gefassten - Militärlager für einen Zug gegen die Markomannen. In Carnuntum kreuzte die Bernsteinstrasse, welche die Ostsee mit der Adria verband, die Donau.

Unter Tiberius Claudius Nero Germanicus (Claudius) (41 - 54 n. Chr.) errichtete die Legio XV ein Standlager, welches zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr. von der Legio XIV übernommen wurde. Das Lager hat bis in die Völkerwanderungszeit bestanden. In der Mitte des 4. Jahrhunderts fand eine grössere Zerstörung - eventuell durch ein Erdbeben - statt. Unter Flavius Valentinianus (Valentinian I) (364 - 375 n. Chr.) wurden hauptsächlich die militärischen Anlagen wieder aufgebaut. Im frühen Mittelalter diente das Lager vermutlich einer slawischen Bevölkerung als Siedlungsplatz.

Das Gelände des Lagers wurde bisher kaum überbaut. Allerdings verläuft die heutige Landstrasse auf der Via Principalis. Heute ist nur noch der südliche Torturm der Porta Prinicpalis Dextra (rechtes Lagertor) sichtbar. Der Rest lässt sich anhand der Geländeform erahnen, wobei der Nordteil durch die Donau abgebrochen wurde. In diesem Lager wurde der damalige Statthalter von Pannonia Superior, Lucius Septimius Severus, am 9. April 193 n. Chr. zum Kaiser ausgerufen.

Die Canabae (Lagervorstadt) befand sich im Westen, Süden und Osten des Legionslagers. An deren Ostrand wurden zwei heilige Bezirke gefunden. Der grössere war der in der syrischen Stadt Heliopolis (Baalbek) beheimateten Trias Iupiter Heliopolitanus, Venus Victrix und Mercurius (Bacchus) geweiht. Der kleinere bestand aus einem Tempel für das Götterpaar Liber und Libera. Diese Anlagen wurden vom 2. Jahrhundert n. Chr. bis in die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts benutzt.

Von der Canabae ist heute nur noch das Amphitheater sichtbar. Der Bau fällt in die Zeit Lucius Aelius Aurelius Commodus (180 - 192 n. Chr.) und bot ca. 8'000 Besuchern Platz. Vermutlich wurde er jedoch in erster Linie als Exerzier- und Paradeplatz benutzt.

Am Ostrand von Petronell - westlich des Legionslagers - befand sich ein Kastell, in welchem eine 500 Mann starke Reitertruppe stationiert war. Es wurde ab der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. bis in das 3. Jahrhundert benutzt. Davon sind noch die Thermen, die Ostfront und die Porta Decumana (Südtor) erhalten, jedoch bis heute nicht konserviert worden und somit auch nicht sichtbar.

In einem kleinen Museum nordöstlich des Kastells ist ein Kreuzpunkt eines Abwassers- und Wasserkanals sichtbar. Zwischen dem Kastell und der Canabae lag ein Kultbezirk für Iupiter Dolichenus.

Die Zivilstadt befand sich im Westen des Kastells. Sie wurde unter Publius Aelius Hadrianus (117 - 138 n. Chr) zum Municipium (autonome Stadt) erhoben. Der Kern war ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. von einer 2 Meter starken Mauer umgeben. Die ersten Bauten stammen aus der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. Eines der spätesten Gebäude ist der Dianatempel aus dem Begin des 4. Jahrhunderts n. Chr. Das Forum wurde bisher nicht entdeckt. Unter Lucius Septimius Severus (193 - 211 n. Chr.) wurde Carnuntum zur Colonia Septimia Aurelia Antoniniana Carnuntum erhoben.

Von der Zivilstadt sind heute einige Häuser, die Thermen und ein (vermutetes) Valetudinarium zu sehen. Zudem wurde ein Teil des Porticus, welcher die Limesstrasse begeleitete, inklusive Dianatempel rekonstruiert. Weiter im Westen liegt die sogenannte Palastruine. Es handelt sich hierbei um eine Insula, welche aus drei Teilen bestand: Thermen, Hof und (vermutetes) Macellum.

Im Südwesten der Zivilstadt sind die Reste eines Amphitheaters sichtbar. Es wurde in der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtet und im 4. Jahrhundert aufgegeben. Es hatten 13'000 Zuschauer platz.

Etwas ausserhalb südwestlich der Stadt liegt das sogenannte Heidentor. Es handelt sich um einen Bau, welcher auf vier Säulen stand. Davon stehen heute noch zwei. Das Monument wurde vermutlich im 4. Jahrhundert n. Chr. erbaut. Es gibt Vermutungen, das der Bau anlässlich der Dreikaiserkonferenz, welche 307 oder 308 n. Chr. in Carnuntum stattfand, erstellt wurde. Vielleicht gehört der Bogen auch zu einer Reihe von Triumphbögen, welche unter Flavius Iulius Constantius (Constantius II) (337- 361 n. Chr) errichtet wurden.

Im Osten des Lagers, bei der Marienkirche, wird ein Brückenkopfkastell vermutet. Ob die Hafenanlagen der Donauflotte (Classis Pannonica) gefasst wurde, ist mir nicht bekannt.

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